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Prevent Infect
SAA-REHA-035

Elektrotherapie und Ultraschall

Letzte Prüfung
10.04.2026
Rechtsgrundlage
§ 8 MPBetreibV (Neufassung 2025); KRINKO/BfArM-Empfehlung „Aufbereitung von Medizinprodukten" (2012, Anlage 8 novelliert Oktober 2024); RKI-Stellungnahme Wischdesinfektion semikritischer Medizinprodukte (November 2020); DEGUM-Empfehlungen Hygiene in Sonografie und Endosonografie (2018); VAH-Liste (aktuelle Fassung); DGKH/DGSV/VAH-Stellungnahme Desinfektion semikritischer Medizinprodukte (2022)
01Zweck und Geltungsbereich

1. Zweck und Geltungsbereich

Diese SAA regelt die hygienisch sichere Handhabung, Aufbereitung und Anwendung von Elektrotherapie- und Ultraschallgeräten in allen Reha-Einrichtungen von Ihre Einrichtung. Sie gilt für alle Therapeuten und Mitarbeiter, die diese Geräte einsetzen, aufbereiten oder für ihre Wartung zuständig sind.

Ziel ist die Prävention von Kreuzinfektionen zwischen Rehabilitanden sowie die rechtskonforme Aufbereitung der eingesetzten Medizinprodukte gemäß § 8 MPBetreibV.

Geltungsbereich

  • Physiotherapie-Abteilungen und alle Bereiche, in denen Elektrotherapie oder therapeutischer Ultraschall durchgeführt werden
  • Alle wiederverwendbaren Medizinprodukte: Ultraschallschallköpfe, Mehrfachelektroden, Kabel und Zubehör
  • Alle verwendeten Verbrauchsmaterialien: Einmalelektroden, Kontaktgel, Einmaltücher

Besondere Hinweise zum Einsatz bei Rehabilitanden mit Infektionen

  • Rehabilitand:innen mit bekannter Besiedlung durch multiresistente Erreger (MRSA, VRE, 3MRGN) dürfen die reguläre Physiotherapie-Abteilung prinzipiell auch aufsuchen, es sollte aber eine Rücksprache mit dem ärztlichen Dienst und dem/der internen Hygienebeauftragten erfolgen, um ggf. zusätzliche Bearrieremaßnahmen festzulegen.
  • Bei meldepflichtigen Infektionskrankheiten mit Übertragungsrisiko ist die Physiotherapie in der Abteilung zu unterbrechen; der ärztliche Dienst entscheidet über geeignete Alternativen (z. B. Einzelbehandlung im Zimmer, Verschiebung).
  • Rehabilitand:innen mit akuten Wundinfektionen erhalten keine Lokal- oder Elektrotherapie direkt im Wundbereich.
02Schallkopf-Aufbereitung (Ultraschalltherapie)

2. Schallkopf-Aufbereitung (Ultraschalltherapie)

Risikoeinstufung gemäß KRINKO/BfArM

Die Einstufung des Ultraschall-Schallkopfs bestimmt das erforderliche Aufbereitungsverfahren:

  • Unkritisch: Schallkopf hat ausschließlich Kontakt zu intakter Haut (Standardfall in der Physiotherapie/Rehabilitationsmedizin) → Wischdesinfektion nach jeder Anwendung ausreichend.
  • Semikritisch : Schallkopf kommt in Kontakt mit nicht-intakter Haut (z. B. Wundränder, geschädigte Haut, endovaginal, endorekta) – in der Regel nicht in der allgemeinen Physiotherapie; falls vorhanden: ausschließlich validiertes (vorzugsweise maschinelles) Aufbereitungsverfahren; manuelle Wischdesinfektion ist nicht per se ein validiertes Verfahren (separate SAA notwendig!).

Aufbereitung (unkritisch – Standardfall Physiotherapie)

  1. Einmalhandschuhe anziehen; Händedesinfektion vor und nach der Aufbereitung.
  2. Kontaktgel-Rückstände mit einem feuchten Einmaltuch entfernen.
  3. Wischdesinfektion mit einem VAH-gelisteten, materialverträglichen Desinfektionsmittel gemäß Reinigungs- und Desinfektionsmittelplan Ihre Einrichtung (Wirkungsbereich AB). Kein Direktsprühen auf den Schallkopf.
  4. Einwirkzeit des Desinfektionsmittels vollständig einhalten – Schallkopf nicht vorher abreiben.
  5. Sichtprüfung: Risse, Kratzer, Ablösung der Membran → sofortiger Geräteausfall und Meldung an Vorgesetzte/n; Reparatur oder Entsorgung vor erneutem Einsatz.

Besonderheit: Schutzhüllen

  • Beim Einsatz auf nicht-intakter Haut oder bei Infektionsrisiko ist eine Einmalschutzhülle über den Schallkopf zu ziehen; als Kontaktmedium innerhalb der Hülle ist steriles Gel zu verwenden.
  • Auch nach Verwendung einer Schutzhülle ist eine Wischdesinfektion des Schallkopfs nach Entfernung der Hülle durchzuführen, i.d.R. wird der Ultraschallkopf in diesem Fall als semikritisch eingestuft und es Bedarf einer eigenen Aufbereitungsanleitung.

Kabel und Zuleitungen

  • Kabel täglich und bei sichtbarer Kontamination sofort mit geeignetem Desinfektionsmittel wischen.
  • Kabel regelmäßig auf Knicke, Brüche und Beschädigungen prüfen; beschädigte Kabel sofort außer Betrieb nehmen.
03Elektroden – Einmal und Mehrfach

3. Elektroden – Einmal und Mehrfach

Einmalelektroden

  • Jede Einmalelektrode wird ausschließlich bei einem Rehabilitanden und nur für eine einzige Behandlungsserie verwendet.
  • Wiederverwendung ist strikt verboten – unabhängig von der äußerlichen Erscheinung.
  • Entsorgung nach Gebrauch als Siedlungsabfall; bei bekannter Infektion des Rehabilitanden als infektiöser Abfall (gemäß einrichtungsinternem Abfallentsorgungsplan).

Mehrfachelektroden (Standardelektroden Elektrotherapie)

  1. Einmalhandschuhe anziehen.
  2. Elektrodengel-Rückstände mit einem feuchten Einmaltuch von der Elektrode entfernen.
  3. Wischdesinfektion mit einem VAH-gelisteten, flächen- und materialverträglichen Desinfektionsmittel (gemäß Reinigungs- und Desinfektionsmittelplan Ihre Einrichtung); Einwirkzeit einhalten.
  4. Sichtprüfung nach jeder Aufbereitung: Risse, abgelöste Kontaktflächen, Materialveränderungen, mangelnde Haftfähigkeit → Elektrode sofort außer Betrieb nehmen und entsorgen.
  5. Kabel und Anschlussstecker regelmäßig auf Beschädigungen kontrollieren.

Elektroden mit Sonderanwendungen (z. B. iontophoretische Elektroden)

  • Herstellerangaben zur Aufbereitung und maximalen Nutzungsdauer sind verbindlich einzuhalten.
  • Bei Unklarheiten: Rücksprache mit dem Gerätehersteller und dem/der Hygienebeauftragten.
04Kontaktgel – Hygiene und Haltbarkeit

4. Kontaktgel – Hygiene und Haltbarkeit

Welches Gel – wann?

Anwendungssituation Geltyp Behälterform
Intakte Haut (Standardfall Physiotherapie) Nicht-steriles Ultraschallgel Spenderflaschen (für mehrere Rehabilitand:innen nutzbar)
Nicht-intakte Haut, Wundumgebung Steriles Ultraschallgel Ausschließlich sterile Einwegbehälter (Sachets)
Nach Hautdesinfektion / perkutane Maßnahmen Steriles Ultraschallgel Ausschließlich sterile Einwegbehälter (Sachets)

Hygienische Handhabung (Spenderflaschen)

  • Berührungsfreie Applikation: Das Gel ist so aufzutragen, dass die Flaschenöffnung weder die Haut der Rehabilitand:innen noch den Schallkopf berührt.
  • Bei Hautkontakt: Kommt es versehentlich zu einem direkten Kontakt der Öffnung mit der Haut oder dem Schallkopf, ist die Flaschenöffnung umgehend mit einem alkoholischen Flächendesinfektionstuch abzuwischen.
  • Verschluss: Spenderflaschen nach jedem Gebrauch sofort wieder verschließen, um das Eindringen von Umgebungskeimen zu verhindern.
  • Umfüllverbot: Das Umfüllen von Ultraschallgel aus großen Vorratsgebinden (z. B. 5-Liter-Kanistern) in kleinere Spenderflaschen ist aus hygienischen Gründen (Gefahr der Kontamination mit Wasserkeimen) strikt untersagt. Es sind originalverschlossene Spenderflaschen des Herstellers zu verwenden.

Lagerung und Haltbarkeit

  • Lagerung bei Raumtemperatur (15–25 °C), trocken und lichtgeschützt.
  • Anbruchsdatum notieren: Auf jeder Spenderflasche ist bei der ersten Öffnung das Anbruchsdatum gut lesbar mit einem wasserfesten Stift zu dokumentieren.
  • Aufbrauchsfrist: Die Verbrauchsfrist nach Anbruch (gemäß Herstellerangabe, i. d. R. 1 bis 6 Monate) ist strikt einzuhalten. Abgelaufene Flaschen sind umgehend zu entsorgen.
  • Bei optischen Veränderungen (Verfärbung, Trübung, Viskositätsverlust) ist das Gel sofort zu verwerfen.
05Geräteflächendesinfektion und Händehygiene

5. Geräteflächendesinfektion und Händehygiene

Geräteflächendesinfektion

Die konkreten Reinigungs- und Desinfektionsintervalle, Verantwortlichkeiten sowie die freigegebenen Präparate (inkl. Konzentrationen und Einwirkzeiten) für alle Therapiegeräte, Zubehörteile und Flächen sind zwingend dem Reinigungs- und Desinfektionsmittelplan der Ihre Einrichtung zu entnehmen.

Als krankenhaushygienisches Grundprinzip gilt: Alle patienten- und personalnahen Kontaktflächen (z. B. Schallkopf, Elektroden, Bedienfeld, Behandlungsliege) sind nach jedem Wechsel der Rehabilitand:innen einer Wischdesinfektion zu unterziehen.

Durchführung der Wischdesinfektion

  1. Einmalhandschuhe anlegen.
  2. Desinfektionsmittel gemäß Reinigungs- und Desinfektionsmittelplan der Ihre Einrichtung auswählen. Hinweis zur Materialverträglichkeit: Herstellerfreigabe für das Gerät zwingend prüfen; nicht jedes Gerät verträgt alkoholhaltige Präparate.
  3. Desinfektionsmittel auf ein Einmaltuch auftragen (bzw. vorgetränktes Tuch entnehmen) – kein Direktsprühen auf elektronische Bauteile oder Displays.
  4. Oberfläche vollständig und gleichmäßig benetzen.
  5. Einwirkzeit gemäß Herstellerangabe des Desinfektionsmittels strikt einhalten – die Fläche nicht vorher abwischen oder trockengerieben.
  6. Einmalhandschuhe ablegen und hygienische Händedesinfektion durchführen.

Händehygiene

  • Hygienische Händedesinfektion vor und nach jedem Kontakt mit Rehabilitand:innen (WHO-Momente) mit einem VAH-gelisteten Händedesinfektionsmittel durchführen: Ausreichend Präparat (ca. 3 ml) entnehmen und für mind. 30 Sekunden unter vollständiger Benetzung in die Hände einreiben.
  • Das Tragen von Einmalhandschuhen ersetzt nicht die Händedesinfektion. Nach dem Ablegen der Handschuhe ist zwingend eine Händedesinfektion durchzuführen.
  • Das Tragen von Schmuck, Uhren, künstlichen Fingernägeln und Nagellack ist an Händen und Unterarmen aus hygienischen und arbeitsschutzrechtlichen Gründen untersagt.
06Patientensicherheit und Kontraindikationen

6. Patientensicherheit und Kontraindikationen

Absolute Kontraindikationen

  • Elektrotherapie (alle Stromformen): Herzschrittmacher und implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren (ICD); sonstige aktive elektronische Implantate; maligne Tumoren im Behandlungsfeld; akute Thrombose oder Thrombophlebitis; fieberhaftes Infektionsgeschehen; offene Wunden direkt im Elektrodenbereich; Schwangerschaft (im Bereich Abdomen/Becken)
  • Ultraschalltherapie: Maligne Tumoren im Behandlungsfeld; Wachstumsfugen bei Kindern und Jugendlichen; Anwendung direkt über Herzschrittmacher oder implantierten Elektroden; direkt über Knochen- oder Gelenkersatz aus Kunststoff oder Knochenzement; nach Laminektomie direkt über der freigelegten Dura

Relative Kontraindikationen und besondere Vorsicht

  • Rehabilitand:innen mit Sensibilitätsstörungen (z. B. Polyneuropathie, nach Schlaganfall): niedrigere Intensität, kurze Behandlungsdauer, engmaschiges Monitoring wegen eingeschränkter Schmerzwahrnehmung
  • Metallimplantate (Schrauben, Platten, Prothesen): Anwendung in unmittelbarer Nähe der Implantate nur nach ärztlicher Rücksprache; Wärmeleitung beachten
  • Antikoagulations-Therapie: Intensität reduzieren, Hämatom-Bildung überwachen

Aufklärung, Anwendung und Monitoring

  1. Vor Erstanwendung: Aufklärung des Rehabilitanden über Wirkweise, erwartete Empfindungen und Abbruchsignale; Kontraindikationen aktiv abfragen.
  2. Geräteeinstellungen (Stromform, Frequenz, Intensität, Impulsdauer, Ultraschallintensität in W/cm²) gemäß ärztlicher Verordnung und anerkannter Anwendungsempfehlungen wählen.
  3. Während der Behandlung: regelmäßiges Nachfragen nach Schmerzen, Brennen, starkem Wärmegefühl oder Kribbeln.
  4. Bei Überschreitung der Toleranzgrenze: sofortiger Abbruch der Therapie, Information des ärztlichen Dienstes, Dokumentation des Vorfalls.
07Dokumentation

7. Dokumentation

Therapiedokumentation (je Sitzung)

  • Angewandte Therapieform (Elektrotherapieart, Ultraschall)
  • Gerätekennung (Inventar-Nr.), Behandlungsdatum und -dauer
  • Parameter: Stromform, Frequenz (Hz), Intensität (mA bzw. W/cm²), Impulsdauer, Elektrodenlokalisation
  • Feedback des Rehabilitanden und ggf. unerwünschte Reaktionen

Hygieneprotokoll (Aufbereitungsnachweis)

  • Datum und Uhrzeit der Aufbereitung
  • Bezeichnung des aufbereiteten Medizinprodukts (Schallkopf-ID, Elektroden-Typ)
  • Verwendetes Desinfektionsmittel (Name, Konzentration, Lot-Nummer – insbesondere bei semikritischen Medizinprodukten)
  • Durchführende Person (Handzeichen oder Kürzel)
  • Besonderheiten (Sichtbefund, Mängel, Außerbetriebnahme)

Gerätewartung und STK-Dokumentation

  • Sicherheitstechnische Kontrollen (STK) gemäß § 11 MPBetreibV und Herstellerangaben in Gerätebuch oder digitalem Wartungssystem eintragen.
  • Messtechnische Kontrollen (MTK) sofern vom Hersteller gefordert – Fristen einhalten und dokumentieren.
  • Defekte und Außerbetriebnahmen sofort im Gerätebuch vermerken; Gerät deutlich als „NICHT VERWENDEN" kennzeichnen bis zur Freigabe nach Reparatur.

Meldepflichten

  • Schwerwiegende Vorkommnisse mit Medizinprodukten (unerwünschte Reaktionen, Gerätfehler mit Patientenschaden) sind unverzüglich dem ärztlichen Dienst zu melden und gemäß MPSV (Medizinprodukte-Sicherheitsplanverordnung) über das BfArM-Meldeportal zu erfassen.
  • Interne Dokumentation des Vorfalls im Qualitätsmanagementsystem von Ihre Einrichtung.
Quellen
  1. KRINKO/BfArM: „Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten". Bundesgesundheitsblatt 10/2012; Anlage 8 novelliert und in Kraft seit Oktober 2024. Robert Koch-Institut, Berlin.
  2. RKI-Stellungnahme: „Manuelle Wischdesinfektion semikritischer Medizinprodukte" (November 2020). Robert Koch-Institut, Berlin. Abrufbar: rki.de
  3. DEGUM: „Empfehlungen zur Hygiene in Sonografie und Endosonografie". Ultraschall in der Medizin / European Journal of Ultrasound 2018; 39(06):616–636.
  4. Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) in der Neufassung 2025, insb. § 8 (Aufbereitung von Medizinprodukten) und § 11 (STK/MTK). BGBl.
  5. VAH (Verbund für Angewandte Hygiene): VAH-Liste der geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren, aktuelle Fassung. mhp-Verlag, Wiesbaden.
  6. DGSV/DGKH/VAH: „Stellungnahme zur Desinfektion von semikritischen Medizinprodukten per Wischdesinfektion". Krankenhaushygiene up2date, August 2022.
  7. DGSV: „Aufbereitung von Ultraschallsonden". Zentralsterilisation 3/2017; S. 194–199.
  8. DGKH: „Empfehlungen zur Erstellung von Desinfektions- und Reinigungsplänen in der Physiotherapie". Stand Februar 1999 (weiterhin als Grundlage referenziert).
  9. Medizinprodukte-Sicherheitsplanverordnung (MPSV), aktuelle Fassung. Bundesministerium für Gesundheit.
Einrichtungsspezifische Fassung
Diese Fassung ist die allgemeine Vorlage. Die auf Ihre Einrichtung angepasste Version, der Download und die zugehörigen Checklisten sind Teil des Abos.
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